Wie funktioniert Nikotin im Körper?

Nikotin ist ein stark wirksames Alkaloid, das vor allem durch das Rauchen von Zigarettenrauch in den Körper gelangt. Bereits wenige Sekunden nach der Inhalation erreicht es das Gehirn und löst vielfältige Effekte aus. In diesem Artikel erfahren Sie, wie das Nikotin im Körper aufgenommen, verteilt und abgebaut wird sowie welche physiologischen und psychischen Auswirkungen entstehen. Zudem wird erläutert, wie eine Suchtentwicklung zustande kommt und warum ein Entzug oft mit starken Beschwerden verbunden ist.

Absorption und Metabolismus

Nach dem Inhalieren von Nikotin steigt die Konzentration im Blut innerhalb von 10 bis 20 Sekunden an. Über die dünnen Membranen der Lungenbläschen (Alveolen) wird es rasch ins Blut aufgenommen. Alternativ kann Nikotin auch über die Mundschleimhaut (z. B. Kautabak) oder die Haut (Pflaster) in den Blutkreislauf gelangen. Im Blut verteilt sich das Molekül lipophil und erreicht schnell das Gehirn.

In der Leber erfolgt der Abbau von Nikotin hauptsächlich durch das Enzym CYP2A6. Dabei entsteht Cotinin als Hauptmetabolit, der ebenfalls messbare pharmakologische Wirkungen besitzt. Der Metabolismus von Nikotin ist abhängig von genetischen Variationen: Manche Personen bauen Nikotin schneller ab, was zu einem veränderten Rauchverhalten führen kann. Die Halbwertszeit im Blut beträgt etwa 1 bis 3 Stunden, wobei 80 bis 90 % des aufgenommenen Nikotins bereits nach einem Tag eliminiert sind.

Wirkung auf das Nervensystem

Im zentralen Nervensystem bindet Nikotin an Rezeptoren für den Neurotransmitter Acetylcholin. Diese nikotinischen Acetylcholinrezeptoren sind ligandengesteuerte Ionenkanäle, die bei Aktivierung Natrium- und Calciumionen in die Nervenzelle einströmen lassen. Die Erregungsweiterleitung wird verstärkt, und es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von weiteren Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin.

Die erhöhte Dopaminausschüttung im mesolimbischen System ist entscheidend für das Entstehen eines belohnenden Gefühls. Dieser Mechanismus spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Abhängigkeit, da das Gehirn zunehmend auf geringere Nikotindosen angewiesen ist, um das gleiche Wohlgefühl zu erzeugen. Gleichzeitig fördert Nikotin die Aufmerksamkeit, Konzentration und kognitive Leistungsfähigkeit, was viele Konsumenten als positiven Nebeneffekt wahrnehmen.

Auswirkungen auf das Kreislaufsystem

Über die Stimulation des sympathischen Nervensystems erhöht Nikotin die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin. Dies führt zu einer Steigerung der Herzfrequenz und des Blutdrucks sowie zu einer Engstellung der peripheren Blutgefäße. Langfristig kann diese Mehrbelastung das Risiko für arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle erhöhen.

Zu den wichtigsten Effekten im Überblick:

  • Erhöhung der Herzfrequenz um bis zu 20 %
  • Akute Blutdruckspitzen nach jeder Nikotinaufnahme
  • Verminderte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels durch Gefäßverengung

Die kombinierte Wirkung von erhöhtem Sauerstoffbedarf und gleichzeitig verringerter Durchblutung kann langfristig zu schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Suchtentwicklung und Entzug

Die wiederholte Aktivierung des Belohnungssystems durch Nikotin führt zur Suchtentwicklung. Bereits kurze Konsumphasen genügen, um die neuronale Verschaltung so zu verändern, dass das Verlangen nach Nikotin kontinuierlich zunimmt. Die psychische Abhängigkeit äußert sich in starkem Craving und der Unfähigkeit, den Konsum zu kontrollieren.

Mechanismen der Abhängigkeit

Mit jeder Nikotineinnahme passt sich das Gehirn an den erhöhten Dopaminspiegel an, indem es die Anzahl der nikotinischen Rezeptoren reguliert. Es entsteht eine Toleranz, sodass höhere Dosen benötigt werden, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Gleichzeitig werden Stresshormone wie Cortisol freigesetzt, was das Verlangen weiter verstärken kann.

Symptome beim Entzug

Ein akuter Nikotinentzug geht häufig mit folgenden Beschwerden einher:

  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen und Konzentrationsmangel
  • Vermehrtes Hungergefühl und Gewichtszunahme
  • Starkes Verlangen nach Nikotin (Craving)

Die Intensität und Dauer dieser Symptome variieren individuell, können jedoch mehrere Wochen andauern. Unterstützung durch Verhaltenstherapie oder Nikotinersatzpräparate kann die Erfolgschancen beim Aufhören deutlich erhöhen.

Gesundheitliche Risiken und Langzeitfolgen

Langfristiger Nikotinkonsum ist mit einer Reihe schwerwiegender Erkrankungen verbunden. Neben dem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden steigt auch das Risiko für chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), verschiedene Krebsarten (insbesondere Lunge, Kehlkopf und Speiseröhre) sowie Durchblutungsstörungen in den Extremitäten.

Wichtige Gesundheitsfolgen im Überblick:

  • Erhöhtes Lungenkrebsrisiko durch synergistische Effekte mit Teer und anderen Schadstoffen
  • Gefäßverengungen und Arteriosklerose
  • Beeinträchtigte Immunabwehr und verzögerte Wundheilung
  • Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 durch Insulinresistenz

Bereits das Aufhören mit dem Rauchen senkt das Risiko für viele dieser Erkrankungen deutlich. Frühzeitige Entwöhnung kann Schäden begrenzen und die Lebenserwartung erhöhen.